Hausbesetzung in der Marienstraße

Hausbesetzung_August2014.

 

 

 

 

 

 

 

Erk­lärung der  Unternehmer/innen für die Nord­stadt e.V.

Endlich ist das Haus mal beset­zt wor­den …“
Am 30.8. in den Abend­stun­den wurde in der Marien­straße auf dem Ölberg in der Elber­felder Nord­stadt das Haus mit der Nr. 41 von 7 jun­gen Leuten beset­zt. Sie woll­ten damit auf den lan­gan­dauern­den Leer­stand aufmerk­sam machen und forderten, dass das Haus eben­so gut als soziokul­turelles Zen­trum bzw. als Willkom­men­sort für Flüchtlinge dienen kön­nte.

Damit wurde auf einen Miss­stand aufmerk­sam gemacht, der vie­len Bewohn­ern und Bewohner­in­nen des Ölbergs seit langem ein Dorn im Auge ist.Noch in der Nacht wurde das Haus durch einen unver­hält­nis­mäßi­gen Ein­satz der Polizei mit drei Hun­dertschaften wieder geräumt. Die Bewohn­er und Bewohner­in­nen des Ölbergs sahen sich die ganze Nacht hin­durch einem Belagerungszu­s­tand durch die Polizei aus­ge­set­zt.

Hier wird eine Immo­bilie herun­tergewirtschaftet, weil die Eigen­tümer Teil des inter­na­tionalen Finanzkap­i­tals sind, die keinen Bezug zu den konkreten Leben­sum­stän­den in unseren Quartieren und Kom­munen haben. Immo­bilien sind hier nur Ver­schiebe­masse in Bilanzen und Ren­dite­berech­nun­gen. Jede andere Dimen­sion von Eigen­tum, etwa soziale Verpflich­tun­gen gegenüber der Gesellschaft, wie sie unser Grundge­setz vor­sieht, wird völ­lig aus­ge­blendet. Konkret gehört diese Immo­bilie der DDT 38. VV GmbH, die über zwei weit­ere Immo­bilien­zweck­ge­sellschaften eine Tochter der insol­ven­ten Treve­ria Immo­bilien­hold­ing ist.

Das Ergeb­nis ist, dass die Haupt­gläu­biger, die ABN AMRO Trustees LTD mit Sitz in Lon­don nun fak­tisch Eigen­tümer der Immo­bilie ist und sie durch eine Düs­sel­dor­fer Ver­wal­tungs­ge­sellschaft mehr schlecht als recht ver­wal­ten lässt. Ein Bewirtschaf­tungs- oder Verkauf­s­in­ter­esse beste­ht nicht. Nach jet­zigem Stand ste­ht die Immo­bilie mit 140.000 € in der Bilanz, weit über ihrem tat­säch­lichen Mark­twert, der höch­stens bei 50.000 € liegen dürfte. Bei einem Verkauf würde also der Gläu­biger, die ABN AMRO einen Ver­lust real­isieren. Dementsprechend lässt man lieber die Immo­bilie vergam­meln, um Bilanzen zu schö­nen. Mil­lio­nen­fach und weltweit prak­tiziert wer­den auf diese Art und Weise Finanz- und Immo­bilienkrisen pro­duziert, zulet­zt 2008.

Die Woh­nungsgenossen­schaft Ölberg eG hat bere­its ver­sucht, diese Immo­bilie zu erwer­ben und ein­er Nutzung zuzuführen, sah sich aber mit ein­er über­zo­ge­nen Kauf­pre­is­forderung kon­fron­tiert. Sie machte dann das Ange­bot, für das Haus Zwis­chen­nutzun­gen zu organ­isieren, damit durch eine Nutzung die weit­ere Ver­wahrlosung ver­hin­dert wer­den kann.

Vielfache Anfra­gen an den Vere­in „Unternehmer/innen für die Nord­stadt e.V.“, ob man das Laden­lokal nutzen kön­nte, machen deut­lich, dass es einen Bedarf nicht nur für Wohn­raum gibt, son­dern eben­so für Laden­lokale. Eine Nutzung durch kreative Akteure, Sozialini­tia­tiv­en oder kleine Einzel­händler wür­den alle Bewohner­in­nen und Bewohn­er des Ölbergs begrüßen.

Obwohl das denkmalgeschützte Haus an der Schaufen­ster­front erhe­bliche Schä­den aufweist und nicht wirk­lich verkehrssich­er ist, ist die Stadt Wup­per­tal bish­er nicht tätig gewor­den. Das Gebäude sei verkehrssich­er, so das Bauord­nungsamt der Stadt. Auch die zunehmende Ver­wahrlosung und das damit ver­bun­dene neg­a­tive Erschei­n­ungs­bild für diesen zen­tralen Platz des Ölbergs machen der Stadt Wup­per­tal zwar Sor­gen, hand­lungs­fähig sieht sie sich aber nicht.

Der Vere­in „Unternehmer/innen für die Nord­stadt e.V.“ fordert die Stadt Wup­per­tal auf, alle geset­zlichen Mit­tel auszuschöpfen, um die Eigen­tümer entwed­er zur Bewirtschaf­tung oder zum Verkauf zu einem bere­inigten Wert zu zwin­gen. Städte wie Bre­mer­haven oder Gelsenkirchen, machen es vor. Die mar­o­de Haushaltssi­t­u­a­tion der Stadt Wup­per­tal ist kein Argu­ment für Taten­losigkeit. Die soziale Entwick­lung in unseren Quartieren und Kom­munen darf nicht dem inter­na­tionalen Finanzkap­i­tal über­lassen wer­den.

Vor­stand des Vere­ins “Unternehmer/innen für die Nord­stadt e.V.”
Wup­per­tal, 31.8.2014