Nordstadt-Reporter unterwegs 2013

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Die Klasse 4 B der Grundschule Marienstraße hat in den letzten Wochen die Geschichte ihres Viertels erkundet. Die Idee hatte eine Schülerin: „Lasst uns mal die blauen Schilder lesen, die an verschiedenen Häusern hier in der Nordstadt angebracht sind.“ Mit ihrer Klassenlehrerin Frau Wedding zogen die Jungen und Mädchen los, bewaffnet mit Kamera und Notizblock. Später in der Klasse haben sie dann die auf den Schildern enthaltenden Fotos in eigene Worte gefasst (siehe unten). Zur Vertiefung ihres Wissens und zur Klärung offener Fragen wurde dann Reiner Rhefus vom Historischen Zentrum in den Unterricht eingeladen, der auch bereitwillig Auskunft gab. Letztendlich wollten die Schüler/innen in Erfahrung bringen, ob ihr neu erstandenes Wissen auch bei den Bewohner/innen des Ölbergs bekannt sei. Auf dem Otto-Böhne-Platz wurde eine Videokamera aufgebaut, es gab Interviewer, Kameramänner/frauen und ganz wichtig, die Tonleute. Mit Hilfe von Jörg Stölting von der www.Nord-Stadt.de wurden die Passanten mit fünf Fragen konfrontiert, unter den jeweils vorgegebenen vier Antworten  war nur eine richtig, aber sehen sie selbst.

 

Die Ergebnisse vom Rundgang, aufgeschrieben von den Schüler/innen der Klasse 4b der Grundschule Marienstraße:

 

1.  Marienstr. 64     Schulgebäude

Das Schulgebäude ( seit 1891 ) zeichnet sich durch eine reich verzierte Fassade aus. Viele Kinder der besser verdienenden Bürger besuchten diese Schule. Um 1900 lebten 26000 Kinder in dem Viertel, das war ein Drittel aller Kinder in Elberfeld. Früher lebten die Direktoren in dem Schulgebäude und hatten ein Dienstmädchen.

 

2.  Hedwigstr. 3-11    Turnhalle

Die Turnhalle wurde 1892 gebaut und war eine der ersten in Elberfeld. Davor wurde oft im Freien trainiert. Ab 1908 trainierte hier der Arbeiter-Athleten- Club. Ringen, Boxen und Fußball verhalfen der Arbeiterschaft zu einem Selbstbewusstsein.

 

3.  Marienstr.72    Genossenschaft

Auch dieses Gebäude wurde um 1900 gebaut. Hier befand sich eine Verteilerstelle für Backwaren und Fleisch , die genossenschaftlich geführt wurde. Da die Menschen in dem Viertel arm waren und immer freitags ihre Lohntüte bekamen, war die Verteilerstelle immer an diesem Tag voll.

 

4. Schusterstr. 32    Oskar Hoffmann

In diesem Haus lebte der Redakteur Oskar Hoffmann, nach dem auch die nahe gelegene Treppe benannt wurde. Trotz seiner sozialdemokratischen Gesinnung und häufiger Inhaftierungen wurde er 1909 in den Stadtrat gewählt. Von ihm kam auch der Vorschlag, die einzelnen Städte Elberfeld, Barmen, Vohwinkel, Cronenberg, Ronsdorf und Beyenburg  zusammenzulegen und sie Wuppertal zu nennen. 1933 wurde er inhaftiert und starb 1953 an den Spätfolgen seiner KZ – Haft.

 

5. Schusterstr. 1    Das Haus der Hessischen Maurer

Zwischen 1870 und 1910 wuchs Elberfeld von 60.000 auf 160.000 Menschen an, weil viele Maurer aus Hessen hierherzogen und ihre Familien mitnahmen. Vorher waren die Männer viele Jahre Wanderarbeiter und von ihren Familien getrennt. Sie lebten dann bei Familien auf dem Ölberg.  In diesem Haus lebte Wilhelm Balser. Er setzte sich als Gewerkschafter und Stadtverordneter besonders für den Arbeitsschutz ein.

 

6. Wirkerstr. 15-17   Weberhaus

Viele Weber wollten die Fabrikarbeit meiden und stellten deshalb die Webstühle in ihren Wohnungen auf. Die ganze Familie arbeitete 11 Stunden am Tag. Das Haus Nr. 15 ist eines der ältesten Häuser im Viertel ( 1872 ). Hier war früher der Stadtrand von Elberfeld. Die Häuser haben höhere Fenster und Decken als normal, damit die größer gebauten Jaquardwebstühle aufgestellt werden konnten.

7.  Wülfrather Str. 17   Gaststätte Tacken, heute Caribe

Tacken war ehemals eines der vornehmsten Lokale im Stadtteil. Es gab feste Tische für Beamte, Meister und Arbeiter. Im Innenraum ist noch das Rüttchen erhalten, eine Durchreiche für Getränke , die man lose in 2 bis 5 Litergefäßen kaufen konnte. Oft waren es Kinder, die dort die Getränke abholten. Elberfeld zählte zu den Städten mit der größten Dichte an Wirtschaften. 1885 gab es 174. Viele Weber nutzten den Montag, um zu ‚bläuen‘. Sie saßen in Wirtschaften, tranken und spielten Karten. Dafür mussten sie den Rest der Woche umso länger arbeiten.

 

8.  Brunnenstr. 12   Kneipe Heinrich Stehr

Auch hier befand sich in dem einfachen Wohnhaus eine Einzimmerkneipe. Sie wurde von dem Schreinermeister und Sozialdemokraten Heinrich Stehr ( 1853-1929 ) betrieben. Diese Kneipen wurden oft von den Arbeitern als Parteienkneipe benutzt, denn bis 1890 war die Sozialdemokratische Partei verboten.

 

9.  Hochstr.17   Weberhaus

Die Hochstrasse wurde schon 1830 als Provinzialstrasse nach Neviges angelegt. Das Haus Nr. 17 entstand um 1860 und beherbergte 20 Familien, von denen 13 Heimweber waren.

 

10. Marienstr.19  Wohnhaus Luise Köthe

Hier wohnte 1912-1943 Familie Köthe. Luise Köthe engagierte sich für die AWO und war ehrenamtliche Fürsorgerin. Jeden Freitag holten sich die Wohlfahrtsempfänger des Quartiers bei ihr eine geringe Unterstützung ab.

 

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