Nordstadtbroschüre

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn!

Vorwort

Gefeiert…
wurde im Mai mit großem Zuspruch das 7. Ölbergfest. Alle Diskussionen im Vorfeld, wie groß das Fest zu sein hat, wie nachbarschaftlich, wie dick oder wie dünn und wer was verkaufen darf, lösten sich weitgehend in Wohlgefallen auf. Bei bester Wetterlage wurde das Ölbergfest wieder seinem Ruf gerecht, eines der schönsten Quartiers- bzw. Stadtfeste im Tal zu sein. Wir freuen uns auf 2018. Dazwischen wird im Herbst 2017 der Berg im Rahmen der vierten Ausgabe des Lesefestivals „Der Berg liest“ in allen Facetten und Formen der Literatur frönen.

Bereichert*…
haben die Nordstadt so einige neue Läden. Gerade um den Bereich Marienstraße hat sich viel getan. Es sind meist kleine Manufakturen,also Betriebe, die ihre Produkte von Hand herstellen. „In weiten Teilen der Welt sind Manufakturen heute nur noch eine im kleinen Rahmen existente Art eines produktiven Betriebs.“ schreibt die Wikipedia. Wir schätzen uns glücklich, davon eine wachsende Anzahl in unserem Quartier zu haben. Die meisten mit Ladengeschäft und sorgsam ausgesuchtem Sortiment. Was sie auszeichnet ist, neben aller Originalität ihrer Produkte, dass sie von Leuten mithandundherz** geführt werden. Jenny Abels stellt die Szene hier vor. Die gute Stimmung unter den bekannten und neuen Nordstädter Unternehmern und Künstlern zeigt uns das diesjährige Titelfoto.

Hollywood…
steht in großen Lettern über dem Stadtteil von Los Angeles, in dem die Filmwelt in ihrem Glanz erstrahlt. Auch dream factory – Traumfabrikgenannt.Wenn man von den Südhöhen Richtung Nordstadt guckt, so sieht man als eines der markantesten Gebäude den Hochbunker in der Schusterstraße. Darauf setzte der Fotograf Marc Strunz in einer Bildmontage hier im Stile Hollywoods den Schriftzug Ölberg.Tolle Idee: ein bisschen Ironie, ein bisschen Wahnsinn, ein eyecatcher, der unser Viertel sicherlich einmal mehr gut in Szene gesetzt hätte.
Kurze Zeit später ging die Website Bunkervision online, mit genau diesem Bild als Startseite. Es geht dort um den Umbau des Bunkers in ein Wohn- und Bürohaus. Die Pläne schlugen hohe Wellen. Die Nachbarn hatten Sorge, dass die notwendigen Arbeiten am Bunker eine jahrelange und hohe Lärmbelästigung in der Straße zur Folge hätte, ganz abgesehen von Schmutz und Dreck sowie fehlenden Parkplätzen während der Bauzeit. Es bedurfte zwei öffentlicher Veranstaltungen und vieler Einzelgespräche, um zum einen Bedenken einzuräumen und zum anderen für die positiven Seiten des Projektes zu werben. „Toter umbauter Raum wird zu einem hellen, lebendigen Ort, und das gefällt mir“, sagte eine Teilnehmerin. Andere sorgen sich darum, dass eine Luxusimmobilie das bereits fragile Mietgefüge weiter aus den Fugen geraten lässt. Da wird saniert, entkernt und als Eigentumswohnung verkauft – nicht nur in der Schusterstraße.
Thomas Weyland analysiert hier, wem die Nordstadt gehört und wer eigentlich Stadtentwicklung vorantreibt. Er meint, von einer Gentrifizierung seien wir noch weit entfernt.Und dennoch: Wer kann sich die Mieten jenseits von 8 oder 9 Euro noch leisten? Dort, wo vorher ein Quadratmeterpreis um die 5 Euro Durchschnitt waren. Was sind notwendige Investitionen und was sind Umsetzungen teils visionärer Architektur, die ebenfalls ihre Berechtigung hat? Es wäre fatal, einfache Antworten zu liefern und ebenso fatal, künstliche Fronten zu schaffen. Es sollte doch – bei allen gegensätzlichen Interessen – um eine gelingende Quartiersentwicklung gehen. Anstöße dazu liefert UTOPIASTADT für den Bereich Mirker Bahnhof mit dem Entwurf seiner Charta hier.

25 Jahre Armut…
passt auch nicht so richtig ins Konzept von Glitzer und Glamour. Doch das ist die Realität mit der sich die Mitarbeiter der Alten Feuerwache tagtäglich konfrontiert sehen. Und weil wir gerne wegsehen, starteten sie eine spektakuläre Plakatkampagne. Zum Thema äußern sich Jan Ihle und Joachim Heiß im Interview hier.

Jahrtausendelang Flucht…
vor Krieg und Armut und kein Ende. Geflüchtete Menschen willkommen zu heißen, sollte selbstverständlich sein und ist es zunehmend nicht mehr. Die Stadt Wuppertal macht glücklicherweise mit ihrer Unterbringungspolitik eine beispielhafte Politik. Trotzdem braucht es zusätzlich viel ehrenamtliches Engagement.Wer in unserem Quartier mithelfen möchte, schaue hier nach: www.fluechtlingshilfe-nordstadt.de.
In diesem Zusammenhang sollte die Äußerung einer Grundschullehrerin nicht unerwähnt bleiben: „Viele reden von Belastung und Integrationsproblemen. Ich arbeite mit vielen Kindern aus diesen Ländern, jeden Tag und viele Stunden. Ich empfinde ihre Anwesenheit als Bereicherung für die Schule und unser ganzes Viertel.“

So bleibt unser Viertel…
immer im Spannungsfeld zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Wohlstand und Armut. Mit allen Abstufungen dazwischen. Da kommen LadenbesitzerInnen ins Grübeln: Wird ihre fair produzierte Ware, die nicht für „nen Appel und nen Ei“ verkauft wird, mit dazu beitragen, nur Wohlsituierte ins Viertel zu locken? Gleichzeitig kümmert es aus wärtige Investoren nicht im Geringsten, wie sich das Quartierentwickelt und wie es den Menschen dort geht. Hauptsache, die Rendite stimmt.
Bauen wir auf die im Stadtteil lebenden Akteure, die hier produzieren und investieren! Von Ihnen können wir soziale Verantwortung erwarten und einfordern. Zum Beispiel, indem sie von ihrem Gewinn etwas ins Viertel zurückgeben. Direkt und ohne Umschweife: Einlagen im Ölbergfonds hier, Unterstützung der Schulen, der Alten Feuerwache, der Feste, der Spielplätze usw. Der Ölberg ist weit davon entfernt eine dream factory, ein Hochglanzprodukt zu werden. Trotzdem müssenwir uns mächtig ins Zeug legen, damit in unserem Quartier Platz für alle bleibt.

Uwe Peter
Vorstand Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V.

Kontakt:
Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V.
Zimmerstraße 40
42105 Wuppertal
Tel: 4957018
www.nord-stadt.de

Redaktion:
Schusterstraße 59
42105 Wuppertal
Tel: 3702944
nsb@uwepeter.de

* Bereichert: Mode von Anke Reichert, Marienstr./Ecke Dorotheenstraße
** mithandundherz, Manufaktur