
Ein Stimmungsbericht von Tina Denda
Die Nordstadt kennt viele Geschichten: Kuriose und traurige, Geschichten vom Dasein und vom Weggehen, junge und
alte ...
Die Schauspielerin Stefanie Siebers, selber leidenschaftliche Ölbergerin, hatte schon lange vor, aus den Geschichten der Nordstadt ein Theaterstück zu machen. Ihr Wunsch: Mehrere Generationen sollten miteinander auf der Bühne stehen. Das ist ihr geglückt: Am Samstag, den 7.Mai feierte „Wann kommt denn endlich der Bus?" im proppenvollen Kirchsaal des Lutherstifts Premiere. Möglich wurde dies durch eine Kooperation des Vereins Nordlicht mit dem Lutherstift, die Gelder für das Mehrgenerationen-Theater stammen aus dem EU-Fond „Stärken vor Ort". „Wir finden es toll, dass das Lutherstift sich auf das Projekt eingelassen hat", freut sich Nordlicht-Vorstand Cordula Stöttner vor Spielbeginn über die künstlerische Interessengemein-schaft von Alt und Jung.
Und dann heißt es: Bühne frei für die acht Frauen im Alter von 14 bis 94. Zur gesummten Melodie von „Kein schöner Land in dieser Zeit" betreten sie die Bühne, die einen leichtfüßig, die anderen mit helfender Hand. Ihr Spielplatz: Eine Bushaltestelle, markiert durch das Haltestellenschild „Lutherstift" und ein Bank zum Sitzen für die Älteren.
Spielszenen und Filmsequenzen wechseln sich bei der vierzigminütigen Aufführung miteinander ab, ein ums andere mal unterbrochen durch den gemeinsamen Ruf "Wann kommt denn endlich der Bus?" Denn im wirklichen Leben wie auch auf der Bühne sind die öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer pünktlich ... Die kurzen, berührenden Einspielfilme mit den Schauspielern hat die Journalistin und Texterin Stephanie Herpich gedreht. Sie unterstützte in den letzten Monaten Stefanie Siebers ehrenamtlich bei der Umsetzung ihres Theater-Projektes. Den filmischen Interviewschnipseln ist immer ein Motto vorangestellt wie „Mein Lieblingsplatz in der Nordstadt" , oder „Wie ich bin und was ich an mir mag". „Das war die schwierigste Frage überhaupt", erzählt Regisseurin Siebers hinterher, „gerade für die Älteren." Denn sich selber loben, das macht man nicht.
In den kurzen Filmen ist davon nichts zu spüren, hier kommen gerade die alten Frauen sehr präsent rüber. „Wenn tagsüber was los ist, bin ich dabei", sagt zum Beispiel Ruth Leppelt, mit 94 die älteste Akteurin auf der Bühne. Nur am Abend bleibt sie lieber in ihrem Zimmer, „da hab ich Angst vor dem dunklen Flur." Und Anneliese Loock (80) sagt von sich, sie sei „absolut ehrlich". Lügen sei ihr auch viel zu schwierig, „hinterher weiß man gar nicht mehr, was man gesagt hat." Luise Krause, 82 Jahre alt , meint:"Ich sag immer, was ich möchte, ich bin grad und ehrlich." Gemeinsam mit Luzie Jonda (14), Josepha 'Jojo' Biehl (14), Bianca Jordan (26) und Sara Quabach (18) warten die drei alten Damen vom Lutherstift auf den Bus. Und dabei kommen sie miteinander ins Gespräch. So fiebert Jojo ihrer Schauspielprüfung entgegen und möchte den anderen ihre einstudierte Rolle einmal vorspielen. Luzie skizziert auf einer Karte die Weltreise von der sie träumt. Sara, die in ihrer Freizeit selber Texte schreibt, liest ein Gedicht vor und Bianca aus einem Buch über den Moment, in dem Liebe entsteht.
„Ich wollte kein klassisches Theaterstück machen, mit Text auswendiglernen und so weiter", erläutert Stefanie Siebers ihre Theater-Collage. „Ich wollte, dass alle, die auf der Bühne stehen, von ihrem Leben erzählen. Das hat mich interessiert." Die Spielsituation an der Bushaltestelle erlaubt es, dass die Jüngeren den Älteren Stichworte geben.Und dann erzählen sie gerne ihre Geschichte und Geschichten. So wie Ruth: „Ich bin unterwegs nach Gütersloh zu meiner Freundin. Wir wollen in die Operette 'Im weißen Rößl' gehen. Kennen Sie die?" Die Jüngeren im Saal weniger, aber die Älteren schon. Denn als die Akteure den Titelsong von Ralph Benatzky anstimmen, singen viele der betagten Besucher im Saal mit - ein Gänsehautmoment. Ebenso anrührend: Wenn Anneliese davon erzählt, wie sie dabei war, als ihr einziger Enkel schwimmen gelernt hat. Auch geschmunzelt wird ein ums andere Mal , z.b. wenn Luise von sich sagt, sie sei „Fußbodenkosmetikerin".
Mit Filmschnipseln zum Stichwort „Ein glücklicher Moment" endet das Theaterstück. Meine Antwort auf diese Frage am Samstag, den 7. Mai? - Ganz klar, mein Theaterbesuch von „Wann kommt denn endlich der Bus?".
Kommentare
Lustig
ja so ist das ,das war ein sehr schönes Stück,mir hat es sehr gefallen weiter so