Sonntag, 5 Februar, 2012 - 03:50

ÖLBERG 58 - Was geht auf dem Ölberg?

Seit nunmehr einem Jahr hat der Ölberg seine eigene Fußballmannschaft. Türkische und deutsche Jugendliche und junge Heranwachsende haben mit Unterstützung der Stadtteilvereine „Förderverein Elberfelder Nordstadt", Anadolu Wuppertal und „Gegenseitige Hilfe Verein - Cepni ve Cevresi Yardimlasma Dernegi" eine Fußballmannschaft aufgebaut, die als Anadolu Wuppertal e.V. von August 2009 bis jetzt, Juni 2010, in der Kreisklasse C im DFB-Spielbetrieb mitgespielt hat.

Die Ausgangssituation für dieses „Projekt" war, dass für die jungen Leute auf dem Ölberg kaum bzw. gar keine organisierten Freizeitmöglichkeiten existieren. Das bedeutet, dass viele von ihnen nach der Schule oder nach der Arbeit auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen ihre Freizeit verbringen, oftmals auch in der Konfrontation mit anderen Bewohnern bzw. Nutzergruppen, die den öffentlichen Raum auf dem Ölberg ebenso beanspruchen.
Bei der Organisation kultureller Angebote im öffentlichen Raum waren die Jugendlichen bislang nicht beteiligt. Herkömmliche Gesprächsangebote, wie die Organisation von Treffen, wurden von den Jugendlichen nicht wahrgenommen. Angebote der Offenen Jugendarbeit werden von ihnen nicht besucht, bzw. abgelehnt.

Die Jugendlichen selbst manifestierten ihren Anspruch, öffentlich wahrgenommen zu werden, durch das „Taggen" und Sprühen von „Ölberg 58".
Durch die „Tags" bzw. „Graffitis" wurde deutlich, dass die Jugendlichen sowohl ihren Platz im Stadtteil suchen, aber auch ausdrücken wollen, dass sie quasi eine „doppelte" Identität innehaben. Sie sind einerseits auf dem Ölberg geboren und aufgewachsen, andererseits sind ihre Eltern und Großeltern aus der Region Sivas (Provinz-Nr. 58) in Zentralanatolien (Türkei) eingewandert. Die Jugendlichen sind also quasi Träger von miteinander vermischten Kulturen.

Die Jugendlichen wurden vor ca. 1 ½ Jahren angesprochen, wie ihre Vorstellungen von einem Leben auf dem Ölberg denn sein würden und was sie gerne in ihrer Freizeit machen würden. Die einhellige Meinung war: „wir wollen mit einer Fußballmannschaft am Liga-Spielbetrieb teilnehmen; das wollten wir schon seitdem wir 14 sind, aber die Erwachsenen haben immer gesagt: Das schafft ihr sowieso nicht." Gesagt - getan. Eine Fußballmannschaft wurde gegründet und angemeldet.

Seither hat sich eine ganze Menge getan. Die jungen Leute organisierten das erste Ölberger HipHop-Festival, das ÖLBERGFEUER, mit, indem sie das komplette Catering für die Veranstaltung übernahmen. Beim Ölbergfest im April 2010 waren sie mit einem eigenen Stand vertreten, auf dem sie T-Shirts mit dem - dem „Tag" nachempfundenen - Aufdruck „Ölberg 58" verkauften. So wird „Ölberg 58" langsam zur „Marke".

Momentan bemühen sich die Jugendlichen darum, Sponsorengelder einzuwerben, um die Kosten für die nächste Saison tragen zu können.

Dennoch: weiterhin suchen die Jugendlichen nach geeigneten Räumlichkeiten, um sich dort ungestört zu treffen und vielleicht einfach nur zu chillen, ohne auf teure kommerzielle Angebote angewiesen zu sein.

Ein weiteres Nahziel ist der Aufbau und die Organisation von Jugendmannschaften im A- bzw. B-Jugend-Bereich. Hier brauchen aber die Beteiligten noch mehr Unterstützung von interessierten Menschen aus dem Stadtteil oder auch von den Eltern der Kinder und Jugendlichen.

Das Netzwerk, das sich in den vergangenen Jahren in der Wuppertaler Nordstadt entwickelt hat und an diversen stadtteilbezogenen Fragestellungen arbeitet, wird die jungen Leute, also die Altersgruppe der 13 bis 25 Jährigen weiter unterstützen.
Wichtig ist den Unterstützern dabei, dass die männlichen Jugendlichen und Kinder zunächst beginnen, ihre eigenen Interessen im Stadtteil zu vertreten, sich dabei Kompetenzen aneignen, die ihnen die Möglichkeit geben, gleichberechtigt an den Kommunikationen im öffentlichen, sozialen und bestenfalls politischen Raum teilzunehmen.
Sie sollen wahrnehmen können, dass sie selber aktiv für ihr Lebensumfeld werden können und: Gestaltungsmacht besitzen.

 

Loggen oder registrieren um einen Inhalt zu taggen
0

Antworten