Sonntag, 5 Februar, 2012 - 03:38



ein subjektiver Bericht zur Hausmeister-Versammlung

Dreh dich nicht um-

Bevor die Erinnerung an die doch – aus unserer Sicht- denkwürdige Versammlung auf dem Otto Böhne-Platz verblasst, hier ein paar subjektive Eindrücke. Wir bitten um Anmerkungen und Widerspruch…

Der Quartiershausmeister

Seit dem 7.Mai läuft ein Quartiershausmeister durchs Viertel, der nach einem WZ-Zeitungsartikel auch Aufgaben im öffentlichen Raum wahrnimmt und z.B für mehr Sauberkeit auf dem Ölberg sorgen soll. Ausgangspunkt war die Frage, ob ein von Hausbesitzern entlohnter Hausmeister auch Zugriff auf den öffentlichen Raum haben soll.
Der kochende Freundeskreis 4. Woche, Mitglied im Basta-Bündnis „Recht auf Stadt“ und (manchmal) auch gegen das rigorose Vorgehen des Ordnungsamtes gegen Sperrmüllnutzerinnen unterwegs, war doch etwas irritiert, hat gegoogelt und musste feststellen, das das Projekt Quartiershausmeisterei keine Ölberger Eigenschöpfung ist, sondern Teil eines NRW-weiten Modellprojektes der alten schwarz-gelben Landesregierung.
Mit Empörung nahmen wir zur Kenntnis, das das u.a von den Beratungsfirmen Empirica und Quaestio organisierte Hausmeister-Projekt in Dortmund eine „Aufwertung des Stadtteils“ mittels einer Law and Order-Politik gegen „Kleindealer“, „Trinker“ und „Müllverursacher“ betreibt.
Das wollten wir natürlich genauer wissen. Deswegen haben wir zu einer Openair-Versammlung auf dem Otto Böhne Platz eingeladen…

Die Versammlung

Zu unserer großen Freude kamen ungefähr 40 Personen aus allen Ecken des Ölberges zu dieser 1. öffentlichen Versammlung. Das hat uns gezeigt, das es wirklich einen Konflikt gibt, dass die „Aneignung “ des öffentlichen Raumes durch den Quartiershausmeister nicht so einfach auf dem Ölberg hingenommen wird. Wir fanden es ganz ausgezeichnet, dass so viele ganz unterschiedliche Leute zur Versammlung gekommen sind und bereit waren auch kontrovers zu diskutieren.
Besonders gut fanden wir, das sich die NutzerInnen des Otto Böhne Platzes in die Debatte eingemischt haben und von den alltäglichen Drangsalierungen durch Ordnungsamt und Polizei berichtet haben.

Zu Beginn distanzierten sich verschiedene Mitglieder der Genossenschaft von der Empirica-Politik der aktiven Verdrängung von Minderheiten a la Dortmund. Der Ölberger Quartiershausmeister, so die Zusicherung, solle keinesfalls gegen Minderheiten vorgehen. Diese Klarstellung wurde einhellig begrüsst.

Im ersten Teil ging es zunächst um die Vorgeschichte. Die Genossenschaft der Hauseigentümer hatte eine Umfrage (ausschliesslich) bei HausbesitzerInnen durchgeführt, um nach den drängensten Problemen in der Nordstadt zu fragen. Aus der Umfrage kam heraus, das die (fehlende) Sauberkeit auf dem Ölberg das Hauptproblem sei.
(Eine Umfrage bei allen ÖlbergerInnen hätte möglicherweise andere Ergebnisse gebracht.)

Ein Großteil der Debatte ging um den Anspruch der HauseigentümerInnen aus der Ölberg-Genossenschaft, die „bunte soziale Mischung“ in der Nordstadt zu erhalten, den sozialen und baulichen Verfall zu stoppen, die Mittelschicht auf dem Ölberg zu stärken und nichtzuletzt mit ihren Initiativen den Wert ihrer Immobilien zu sichern. Die Aufwertung des Viertels nütze auch den ärmeren BewohnerInnen, so ihre These.

Diesem Anspruch wurde von verschiedenen Diskutanten vehement widersprochen.
Ein Vertreter des BASTA-Bündnis betonte, das der Einsatz des Hausmeisters im öffentlichen Raum grundsätzlich eine Privatisierung und Entdemokratisierung von öffentlichen Raum darstelle, die man nicht hinnehmen dürfe. Auch wolle man sich nicht auf die Nettigkeit verlassen. Irgendwann könnten auch nicht so nette HausbesitzerInnen kommen, und ihre Hausmeister durchs Viertel schicken.
MieterInnen betonten zudem den grundsätzlichen Interessenskonflikt zu HausbesitzerInnen.
Andere RednerInnen kritisierten, das die Initiatoren des Hausmeisterprojektes nicht rechtzeitig die ölbergische Öffentlichkeit informiert haben. Dies gelte auch für diverse andere Projekte. Man wisse nie genau, wann Projekte ehrenamtlich oder privatwirtschaftlich organisiert sind. Wird z.B. das Ölbergfest von allen BewohnerInnen gleichberechtigt organisiert oder bestimmt letzlich der Unternehmerverein?
So sind z.B. die Projekte der Zwischennutzungagentur gut bezahlte Dienstleistungen (was ja o.K. ist) und kein Ehrenamt und Privatengagement.
Wir wünschen uns mehr Transparenz bei den Stadtteilprojekten, wir würden z.B. gerne wissen, wer hinter den Projekten steckt, wer finanziert, wer bekommt Geld etc.

Auf jeden Fall wurde deutlich, das die „öffentlichen Aufgaben“ des Quartiershausmeisters noch weiter diskutiert werden müssen.

Wir sind gespannt auf weitere Reaktionen und beobachten natürlich die Aktivitäten des Quartierhausmeisters aufmerksam….

Freundeskreis 4. Woche

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