Thursday, 9 February, 2012 - 14:20

Kreative Paula

Gestern in meiner Lieblingsgaststätte:

Die Liebesgeschichte von der Schneide- und der Kaffeemaschine

Könnten Maschinen lieben, wären die Schneide- und die Kaffeemaschine ein Paar. Heiß und scharf, laut und stürmisch würde es zugehen.
Könnten die beiden ein Liebespaar sein, wäre die Kneipenwelt glücklich - glücklicher als je zuvor.
Vorbei die traurigen Gesichter am Tresen, die den salzigen Geschmack ihrer Tränenspuren mit Bier übermalen. Vorbei die Melancholie, die bei rauchiger Atmosphäre und ruhiger Musik dem hinter dem Tresen stehenden Wirt ins Gesicht springt. Ein Ende hat all das Leid, da doch die Kaffeemaschine, leise vor Glück zischend, eine Vorbildfunktion einnimmt - das leise Surren der Schneidemaschine, still vergnügt und beruhigend in seiner Wirkung, besänftigt alle traurigen Gemüter.

Angesteckt werden sie von der geblümten Stimmung, das verliebte Gemurmel und Gezische, Geplätscher und Knarren erfüllt zuerst die Küche und den Raum hinter dem Tresen, um sich dann im gesamten Gastzimmer rosig auf das Inventar zu legen.
Dekorierend und frisch duftend hebt sich die Laune, die Schneidemaschine wird immer schärfer und schneller, die Kaffeemaschine immer heißer und glüht vor Erregung: Bald steht sie bevor, die Vereinigung beider ach-so-unterschiedlicher Wesen.

Die traurigen Gemüter blicken gespannt auf das Geschehen, der eine hebt interessiert seinen Blick von dem Buch, welches mit seinem Nietzsche-Inhalt die gesamte Welt anzweifelt, der andere schaut neugierig von seiner Kunst des Zigarettendrehens auf.
Was wird wohl geschehen?

Die Stimmung ist immer aufgeheizter, den Möbeln haftet ein Duft von Erotik an, die Luft beginnt zu glühen - Raumtemperatur: 32,5 Grad Celsius.
Die ersten Kellnerinnen legen die erste Schicht ab, Pullover und Jacken landen im Regal, der erste Schal wird von einem Tresensitzer an den Haken gehängt.
Das Teewasser pfeift vergnügt, vor Freude jauchzend zischt der Milchaufschäumer.

Ach, wenn doch nur beide endlich zueinander fänden, wenn doch nur die glühende Spritzigkeit der Kaffeemaschine die rasante Schneide der anderen beglücken könnte!
Der heiße Kaffee wurde gestückelt, die geschnittenen Zucchinis geschäumt, die Untertassen würden zu Messern und die Messer zu Löffeln werden. Die Inhalte würden verschmelzen, gekrönt von einem Milchhäubchen, statt Keks oder Bonbon ein Gürkchen - hauchdünn und zart geschnitten zur Deko.

Die Kellner, Wirte, Gäste und Schaulustigen nähmen teil am Schauspiel, Zurufe würden ausgestoßen, Jubelschreie und wild glucksendes Händeklatschen erfüllte den Raum.
Ach, wenn doch nur der Espresso gehechselt, die Möhren geschäumt, der Rotkohl aufgebrüht und der Kakao mit Sahne sich über´s Schneidwerk ergießen könnte!

Wenn doch nur die Gesichter am Tresen lachten, sich freuten, Anteil nähmen und wohlgelaunt nach Hause zu ihrer Liebsten gingen und angesteckt von dem Feuer der Geräte die lang vermisste Nähe ausführten.
Hinein in die Wohnung würden sie stürmen, "Liebste, wie gut du riechst!", sagen und anfangen zu küssen, streicheln und liebkosen. Jauchzend wären die Frauen glücklich in ihren Armen, lang quietschen würde das Bett in der Nacht.

Am nächsten Tag wären keine Tränenspuren wegzuspülen, die melancholische wäre von einer heiteren Stimmung abgelöst, selbst der Wirt würde die Veränderungen bemerken.
Verwundert schaute er um sich herum, spürte das erotische Knistern, welches sich im Raum ausbreitete, sähe glückliche und frohgemute Gesichter - ohne lang zu überlegen, würden keine alten Geschichten erzählt, sondern neue, heitere und spannend gefüllte Erzählungen ausgepackt. - Am Tresen, dort, wo jetzt noch all die trüben Gesichter sitzen. Nichtsahnend von der Möglichkeit, Liebe zu spüren, Schneide- und Kaffeemaschine als Herd der Gefühle zu beglückwünschen.

Stumm und glasig sind ihre Augen, ihre Münder und Ohren. Keine Bilder von geschäumter Zucchini, hauchzart geschnittenenen Kaffeebohnen und aufgeheiztem Schneidwerk.
Immer müssen sie dort sitzen bleiben, mit starrem Blick und salzigen Spuren auf ihren Wangen, ihre rissigen, von der Arbeit zerfetzten Hände anstarren und die Liebe zu ihrer Liebsten vergessen.
Keine heitere Stimmung im Raum, kein Jauchzen und Glucksen der Geräte, keine stürmischen, scharfen Begegnungen -
denn immer noch sind es doch nur Maschinen.

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