Herzliches Dankeschön an alle, die das Ölbergfest 2010 mit vorbereitet haben, an alle Einzelspender und die Sponsoren WSW und Sparkasse, ohne deren Unterstützung dieses Fest schwer durchführbar geworden wäre.
Eigentlich wäre es schöner, jetzt einfach anzufangen. Die Sonne scheint, alles ist gut. Kein großes Gerede, kein Tamtam. Dennoch möchten wir diesmal am Anfang ein paar Worte sagen.
Ölberg statt Talfahrt ist das Motto unseres Festes und nimmt damit explizit Bezug auf die aktuelle Situation in Wuppertal. Unser Berg steht für Eigeninitiative und dafür wie man selbst eine Menge auf die Beine stellen kann und sich an den eigenen Haaren aus dem Dreck zieht. Was hat sich das Image unsere Viertels positiv geändert! Aber trotz Ölbergfest, trotz des tollen Schusterplatz brauchen wir die öffentliche Hand, eine funktionierende Stadtverwaltung und Politik, brauchen wir mehr Platz für Kinder und Jugendliche.
Aber hier wollen Sie jetzt sparen, Herr Oberbürgermeister Jung. Und wir sollen auch noch die Erhöhung der Kindergartenbeiträge und Gebühren zahlen. Eigentlich analysieren Sie die Situation ganz richtig, und doch zögern Sie angesichts der Landtagswahlen, sich voll vor unsere Stadt zu stellen. Wen sollen wir wählen? Die, die uns den Hahn zusperren und uns jetzt vor den Wahlen ein paar Millionen als Zuckerbrot versprechen? Den Knüppel holen sie nach der Wahl wieder aus dem Sack. Die Kürzungsrunde 2010 bleibt nicht die einzige. In den nächsten Jahren werden weitere folgen.
Wir werden uns weiter gegen dieses Spardiktat wehren und weil die Wuppertaler Bühnen auch so ein Bauernopfer sind, freuen wir uns besonders, einige Kollegen vom Schauspielhaus hier begrüßen zu dürfen. Sie zeigen, wer kein Geld verschenken kann, der verlost eben "unbezahlbare Gelegenheiten mit Blick hinter die Kulissen". Ab 18:00 Uhr hier auf der Bühne.
Über 170 Anmeldungen gab es für dieses Fest, mehr als 40 Bewerbungen für das Bühnenprogramm. Damit fangen wir jetzt gleich an doch einen Kommentar vorweg zur der Band, die als erstes hier spielen wird: Die Big Band des Landespolizeiorchesters NRW.
Diese Bewerbung hat uns sehr erstaunt, denn wir alle wissen um das gespannte Verhältnis vieler Ölberger zur Polizei. Da gibt es zum einen das jährliche Halali, wenn am 1. Mai zur Autonomen 1. Maidemonstration aufgerufen wird. Das ist schon seit über 20 Jahren so. Aber statt aus Erfahrung zu lernen und im Wissen, dass es hier in Wuppertal anders zugeht als in Berlin oder Hamburg, - wir konnten früher mit Kind und Kegel mitlaufen - arbeitet die Polizei in den letzten Jahren daran, die Situation immer wieder eskalieren zu lassen:
2008 gab es direkt zu Beginn der Demo einen Kessel, 150 Verhaftungen und zahlreiche Verletzte.
2009 wollte ein Bündnis vermitteln, es gab Gespräche im Vorfeld. Gescheitert! Unterm Strich: ein angebrochenes Nasenbein; zwei weitere Personen mussten mit Verdacht auf Rippenbruch bzw. Schlüsselbeinbruch im Krankenhaus behandelt werden.
Nicht zuletzt haben auch wir beim Ölbergfest die Härte polizeilicher Gewalt spüren können, als 2006 ein Einsatzleiter meinte, eine Tanzveranstaltung mit einer Hundertschaft und Pfefferspray beenden zu müssen und nicht auf Dialog zu setzen.
Wir haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass es auch anders geht, und das freut mich.
Einige empfinden den Auftritt des Landespolizeiorchesters als Provokation aufgrund ihrer Erfahrung. Es ist nicht als Provokation gedacht. Nach all diesen Konflikten wäre es leicht und nur zu verständlich, wenn wir sagen würden, die Polizei bekommt hier keinen Raum und erst recht nicht, um sich schön darzustellen.
Ich meine aber, doch, jetzt erst recht! Vielleicht ist es naiv zu denken, wir gäben hier einem Neuanfang die Chance. Und wenn die Truppe, für die Sie hier Reklame machen, nächste Woche wieder meint, Rambo spielen zu müssen, wird diese Chance für lange Zeit vertan sein.
Sie sind Musiker, einige auch Polizisten. Sie machen super Musik - deswegen sind Sie hier, und deswegen heiße ich Sie willkommen nach dem Motto: Taktstock ja, Schlagstock nein. /p>
Uwe Peter